Impostor-Syndrom oder Wissenslücke? So erkennst du den Unterschied
Du sitzt nach einer Therapiestunde und denkst: „Ich weiß gar nicht, was ich hier tue.“
Dieser Gedanke taucht auf nach schwierigen Fällen, nach Elterngesprächen, die sich zäh angefühlt haben. Oder einfach so, ohne konkreten Anlass. Und er klingt immer gleich: Ich bin nicht gut genug.
Was viele nicht wissen: Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Impostor-Syndrom und einer echten Wissenslücke. Beide fühlen sich ähnlich an. Aber sie verlangen grundlegend verschiedene Reaktionen. Und wer sie verwechselt, dreht sich jahrelang im Kreis.
Der Zweifel hat keine Adresse
Eine echte Wissenslücke hat einen Ort. Du weißt nicht, wie du bei einer bestimmten Diagnose vorgehen sollst. Du kennst das Anamnesevorgehen nicht. Du bist unsicher bei einer spezifischen Therapiephase.
Das Impostor-Syndrom fühlt sich anders an. Es sagt nicht „Ich weiß zu wenig über X.“ Es sagt: „Ich bin grundsätzlich nicht gut genug.“ Der Zweifel ist überall, und nirgendwo wirklich greifbar.
Wenn du nach einer Stunde nachdenkst und nicht sagen kannst, was konkret nicht gestimmt hat – nur das diffuse Gefühl bleibt, unzureichend zu sein – dann ist das ein erstes Zeichen für Impostor-Syndrom.
Dein Urteil und das Urteil anderer klaffen auseinander
Deine Patient*innen kommen wieder.
Eltern vertrauen dir.
Kolleg*innen fragen dich um Rat.
Und du bist trotzdem überzeugt: Ich tue nicht genug.
Das ist ein klassisches Muster. Die Eigenwahrnehmung und die Wahrnehmung von außen sprechen zwei völlig verschiedene Sprachen. Wer eine echte Kompetenzlücke hat, sieht das meistens auch von außen: Behandlungsfortschritte bleiben aus, Patient*innen brechen ab, Rückmeldungen sind kritisch.
Wenn das Außen Vertrauen signalisiert und das Innen Zweifel antwortet, dann liegt die Ursache wahrscheinlich nicht in deiner Kompetenz.
Du vergleichst dein Innen mit dem Außen anderer
Auf Fortbildungen stellen Kolleg*innen selbstsichere Fragen. In Fachgruppen posten Sprachtherapeut*innen ihre Fälle. Du siehst das Ergebnis, nicht die Unsicherheiten dahinter.
Das Impostor-Syndrom nutzt genau das. Du siehst die Oberfläche der anderen und hältst sie für deren Kern. Dein eigener Kern – die Zweifel, die offenen Fragen – wird mit Oberflächen verglichen. Das ist ein Vergleich, der nie aufgeht.
Fast alle, die so selbstsicher wirken, kennen denselben Gedanken wie du. Sie sagen es nur nicht laut.
Du weißt es eigentlich — du glaubst es dir nur nicht
Wer eine echte Wissenslücke hat, findet die Antwort auch beim Nachschauen nicht sofort. Das Wissen fehlt.
Wer an Impostor-Syndrom leidet, weiß beim Nachschauen oft: Ich kannte das eigentlich. Die Information war da, sie wurde nur im eigenen Kopf nicht als ausreichend bewertet.
Wenn du etwas nachschlägst und denkst „Ach ja, das wusste ich doch eigentlich“, ist das ein Hinweis. Dein Problem ist nicht mangelndes Wissen, sondern mangelndes Vertrauen in das Wissen, das du hast.
Und was, wenn es wirklich eine Wissenslücke ist?
Impostor-Syndrom und Wissenslücke schließen sich nicht aus. Manchmal ist es beides.
Echte Wissenslücken erkennst du daran: Du stoßt in einem bestimmten Bereich systematisch an Grenzen. Das Problem wiederholt sich bei bestimmten Diagnosen oder Therapiephasen. Und wenn du ehrlich mit dir bist, würdest du gerne mehr wissen, aber nicht weil du „gut genug“ sein willst, sondern weil dir bei dem Thema wirklich etwas fehlt.
Das ist keine Schande. Logopädie und Sprachtherapie ist eines der breitesten klinischen Felder. Lücken sind normal. Und sie lassen sich schließen.
Wenn du erkannt hast, dass es Impostor-Syndrom ist und wissen willst, wie du konkret damit umgehst: Wir haben das ausführlich beschrieben, inklusive Techniken, die wirklich helfen. → Hier geht es zum Artikel
Fortbildung sollte sich nicht nach Selbstbekenntnis anfühlen. Bei TherAkademie kannst du Wissenslücken schließen, in einem Umfeld, das Nicht-Wissen als Startpunkt behandelt, nicht als Makel. → Alle Fortbildungen entdecken