Onlinetherapie in der Logopädie: Was die Evidenz wirklich sagt
Logopädie geht nicht online. Diesen Satz hören wir seltener als früher, aber er ist noch nicht verschwunden. Dabei hat sich die Forschungslage grundlegend verändert.
Teletherapie ist keine Notlösung aus der Pandemie mehr. Sie ist ein wachsendes, gut belegtes Versorgungsmodell. Was sie leisten kann und welche Grenzen sie hat, sehen wir uns hier genauer an.
Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern
Für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen zeigen Studien, dass strukturierte tele-logopädische Therapie ähnlich effektive Ergebnisse liefert wie Präsenztherapie. Wichtige Voraussetzungen: klare Struktur, gut eingebundene Eltern und angepasste Methodik.
Stottertherapie online: Evidenz seit Jahren
Für die Stottertherapie ist die Datenlage besonders gut. Sowohl das Camperdown-Programm als auch das Lidcombe-Programm wurden im Online-Setting untersucht, mit Ergebnissen, die mit Präsenztherapie vergleichbar sind. Regelmäßige Teilnahme vorausgesetzt.
Aphasie: Meta-Analyse bestätigt Wirksamkeit
Für Aphasie zeigt eine Meta-Analyse signifikante Fortschritte durch Teletherapie. Insbesondere in Sprachverständnis und Wortfindung sind diese vergleichbar mit Präsenztherapie.
Das ist bedeutsam für eine Patient*innengruppe, die häufig unter Mobilitätseinschränkungen leidet und wenn Therapieplätze mit Option auf Hausbesuch schwierig zu ergattern sind.
Stimmstörungen: Vergleichbare Ergebnisse
Patient*innen mit funktionellen und organischen Stimmstörungen zeigten nach Online-Stimmübungen vergleichbare Verbesserungen wie nach Präsenztherapie. Gerade Stimmtherapie mit Übungen für Atmung, Resonanz und Körperhaltung scheint gut übertragbar zu sein.
Wo Teletherapie an Grenzen stößt
Onlinetherapie ist keine Lösung für alle. Für bestimmte Bereiche fehlt bisher die Evidenz oder ist die Umsetzung klar eingeschränkt: Komplexe Dysphagietherapie mit manuell-taktilen Techniken ist online nicht durchführbar. Für sehr junge Kinder in der Frühförderung braucht es oft körperliche Präsenz.
Onlinetherapie stellt außerdem andere Anforderungen: technisches Know-how, angepasste Materialien, aktive Einbindung des Umfelds. Das ist erlernbar, aber nicht unbedingt ein Selbstläufer.
Was das für die Praxis bedeutet
Statt zu fragen, ob Onlinetherapie wirkt, sollten wir genau hinsehen: Wann ist sie die richtige Wahl?
Wer Sprachtherapie online pauschal ablehnt, schließt ein legitimes Versorgungsmodell aus, ohne auf die Evidenz zu schauen.
Die Zukunft der Sprachtherapie ist weder ausschließlich Präsenz noch ausschließlich online. Sie ist beides sinnvoll eingesetzt. Bei TherAkademie begleiten wir dich dabei.
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Quellen:
Cacciante et al. (2021). Telerehabilitation for people with aphasia: A systematic review and meta-analysis. Journal of Communication Disorders, 92.
Carey et al. (2010). Randomized controlled non-inferiority trial of a telehealth treatment for chronic stuttering: the Camperdown Program. International Journal of Language & Communication Disorders, 45(1).
Lewis et al. (2008). A phase II trial of telehealth delivery of the Lidcombe Program of Early Stuttering Intervention. American Journal of Speech-Language Pathology, 17(2), 139–149.
Varma et al. (2025). Effectiveness of teletherapy in managing voice disorders: A systematic review. Indian Journal of Otolaryngology and Head & Neck Surgery.
Wales et al. (2017). The efficacy of telehealth-delivered speech and language intervention for primary school-age children: A systematic review. International Journal of Telerehabilitation, 9(1), 55–70.