Dysphagie und Trachealkanülen – Interview mit Corinna Schwarz
Hallo Corinna! Wie bist du zur Sprachtherapie gekommen und was hat dich speziell zur Arbeit mit erwachsenen Patient*innen geführt?
Sprache als System hat mich schon immer fasziniert. Deshalb habe ich zunächst den Bachelor Sprache und Kommunikation studiert – von Anfang an mit dem Ziel, anschließend den Master in Klinischer Linguistik zu absolvieren. Während des Masterstudiums habe ich schnell gemerkt, wie sehr mich der klinische und medizinische Bereich interessiert. Besonders meine Praktika haben diesen Eindruck gefestigt.
Mich motiviert vor allem die Arbeit mit Menschen, die grundlegende, zuvor selbstverständlich erlernte Fähigkeiten verloren haben – etwa Sprechen, sich mitteilen zu können oder essen und trinken zu können. Sie werden dadurch gesellschaftlich schnell ausgegrenzt und verlieren massiv an Lebensqualität. Diese Menschen möchte ich begleiten und ihnen wieder zurück in ein normal(er)es Leben helfen.
In welchem Setting arbeitest du aktuell?
Ich bin aktuell bei der Praxis Theraphysia als Teamleitung tätig und habe dort den Klinikbereich mit aufgebaut. Als Praxis stellen wir Logopäd:innen und Ergotherapeut:innen für verschiedene Kliniken in Berlin.
Ich selbst arbeite derzeit überwiegend im intensivmedizinischen Setting, insbesondere mit schwer betroffenen Patient:innen, die beatmet werden müssen.
Viele Therapeut*innen in der Logopädie trauen sich an das Störungsbild Dysphagie nicht heran. Wie kann man einen guten und sicheren Start finden?
Das Wichtigste ist: keine Angst zu haben – aber gleichzeitig den nötigen Respekt vor dem Thema zu bewahren. Sicherheit entsteht nicht von heute auf morgen, sondern durch Lernen und praktische Erfahrung.
Gerade am Anfang ist es sehr hilfreich, sich von erfahrenen Kolleg:innen begleiten zu lassen, zu hospitieren und die eigene Arbeit supervidieren zu lassen. Außerdem sind fundierte Fortbildungen essenziell – sie geben fachliche Sicherheit und helfen, die eigenen Entscheidungen gut begründen zu können.
Welche Haltung ist dir in der Arbeit mit schwer betroffenen Patient*innen besonders wichtig?
Geduld und die Bereitschaft, auch einmal einen Schritt zurückzutreten. Als Therapeut:innen möchten wir aus guter Motivation heraus oft viel erreichen. Schwer betroffene Patient:innen stoßen jedoch schnell an ihre Belastungsgrenzen, und schon kleine Aufgaben können für sie sehr herausfordernd sein.
Deshalb ist es wichtig, regelmäßig innezuhalten, Erwartungen anzupassen und sich immer wieder in die Perspektive der Patient:innen hineinzuversetzen.
Du hast einen Wunsch frei, was sich in der Sprachtherapie ändern soll. Was wäre das?
Ich wünsche mir eine angemessene Bezahlung – und damit verbunden eine größere Wertschätzung für diesen anspruchsvollen und gesellschaftlich sehr relevanten Beruf.

Als Klinische Linguistin (M.A.) interessiert sich Corinna Schwarz für Therapieansätze, die evidenzbasiert sind und sich gleichzeitig im klinischen Alltag bewähren. Sie bringt umfassende logopädische Erfahrung aus der Neurologie und der Intensivstation mit und ist FEES- und TKM-Ausbilderin.
Ihre Fortbildungen verbinden praxisnahes Wissen mit modernen Therapieansätzen, einschließlich neurostimulativer Verfahren. Sie liefert Teilnehmenden anschauliche Fallbeispiele und vermittelt ihren interdisziplinären Blick auf die Therapie. Besonders wichtig ist ihr dabei, Kolleg:innen die Angst vor komplexen Themen rund um das Trachealkanülenmanagement und Dysphagie zu nehmen und ihnen Sicherheit für die praktische Umsetzung im klinischen oder ambulanten Setting zu geben.

