Langsame Fortschritte in der Sprachtherapie? Darum ist das völlig normal

Als Logopäd*in oder Sprachtherapeut*in kennst du das sicher: Du arbeitest engagiert mit deinen Patient*innen; trotzdem scheint es manchmal kaum voranzugehen. Ob Sprachentwicklungsstörung, Aphasie oder degenerative Erkrankungen wie Parkinson:

Langsame Fortschritte sind in der Sprachtherapie oft kein Zeichen von schlechter Therapie, sondern liegen in der Natur der Störungsbilder selbst.


Warum langsame Fortschritte zum Berufsalltag gehören

Sprachentwicklungsstörungen (SES)

Bei einer Sprachentwicklungsstörung liegt per Definition ein Defizit in der Sprachverarbeitung vor. Das bedeutet: Dein therapeutischer Input kann nur vermindert verarbeitet werden.

Die Therapie ist also mühsam, und das ist erwartbar. Wenn Fortschritte sehr schnell eintreten, darf sogar hinterfragt werden, ob die Diagnose einer SES tatsächlich zutrifft.

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Aphasie nach Schlaganfall

Bei einem Schlaganfall werden Hirnregionen geschädigt. Wenn Betroffene Fähigkeiten auch nur teilweise und mühsam zurückgewinnen oder kompensieren können, ist das ein enormer Therapieerfolg. Kleine Schritte sind hier große Meilensteine.

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Degenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Demenz

Bei neurodegenerativen Erkrankungen ist das gemeinsame Therapieziel nicht immer Verbesserung, sondern der möglichst lange Erhalt vorhandener Fähigkeiten. Fortschritte dürfen und müssen hier anders definiert werden: Stabilisierung ist Erfolg.

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Wann es auch schnell gehen kann

Natürlich gibt es Ausnahmen. Störungsbilder, bei denen Fortschritte schneller sichtbar werden:

-> Isolierte Artikulationsstörungen – hier kann es schnelle Erfolge geben

-> Orofaziale Dysfunktionen – können manchmal zügig ansprechen

-> Funktionelle Dysphonien – wenn die Problematik noch nicht lange besteht, können Anpassungen im Alltag bereits deutliche Verbesserungen bringen

Wichtig: Das bedeutet nicht, dass diese Störungsbilder generell „leichter" zu therapieren sind. Auch hier begegnen Therapeut*innen täglich hartnäckigen Schwierigkeiten. Jede gute Therapie verdient unabhängig vom Tempo Anerkennung.


Der Vergleich mit anderen: Vorsicht vor dem Gefühl, nicht gut genug zu sein

Besonders auf Social Media entsteht schnell das Gefühl, andere Therapeut*innen würden „mehr erreichen". Aber: Das Gras auf der anderen Seite ist manchmal nur grüner, weil es nicht echt ist. Hier findest du unseren Blog-Artikel zum Thema Impostor-Syndrom in der Logopädie überwinden.

Der Vergleich mit idealisierten Darstellungen sagt nichts über die Qualität deiner Arbeit aus. Und schon gar nichts über den Wert deiner Patient*innen-Beziehungen.


Was das alles nicht bedeutet

Langsame Fortschritte als normal anzuerkennen, heißt nicht, den Status quo zu akzeptieren. Als Therapeut*in wachsen bedeutet:

  • bessere Therapiemethoden kennenlernen und anwenden
  • neue, evidenzbasierte Ansätze verfolgen
  • die eigene Herangehensweise regelmäßig hinterfragen
  • sich als Berufsgruppe gemeinsam weiterentwickeln

Du möchtest als Therapeut*in wachsen, ganz ohne das Gefühl, nicht gut genug zu sein? Bei TherAkademie findest du qualitätsgeprüfte Online-Fortbildungen für Logopäd*innen und Sprachtherapeut*innen. Jetzt alle Fortbildungen entdecken →

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